Maria

Maria kam in die Schweiz, weil ihr Freund sie eingeladen hatte und ihr versprochen hatte, sie zu heiraten.
Als sie ankam, war die Enttäuschung gross. Ihr «Freund» war gewalttätig zu ihr und von Ehe war keine Rede mehr. Seine Absicht mit Maria wurde schnell klar: sexuelle Ausbeutung. Verängstigt fragte sie ihn, ob er ihr ihr Rückreiseticket nach Brasilien gebe, aber er weigerte sich. Sie konnte fliehen und suchte Schutz AM Flughafen.

Nach drei Tagen umherirren, fand sie jemanden, der ihr helfen konnte. Eine Person, brachte sie in das brasilianische Konsulat, dort traf sie einen Berater von Projekt Resgate. Umgehend hat Projekt Resgate Massnahmen getroffen, einschliesslich der Bereitstellung eines Hotelzimmers und natürlich einem Flugticket für die Rückreise nach Brasilien.

Susan

Es war 9 Uhr morgens als das Telefon klingelte. Am Apparat war die verzweifelte Stimme eines Mädchens aus der Dominikanischen Republik zu hören: „Nehmt mich hier heraus, bitte, nehmt mich hier heraus“. Die junge Frau war mit dem Versprechen einer regulären Arbeit aus Spanien in die Schweiz gekommen, wo sie in einem Bordell endete, aus dem es kein Entkommen gab. Sie konnte den genauen Ort angeben wo sie sich befand, und innerhalb kurzer Zeit war jemand der ihr helfen konnte. Sie floh aus dem Haus und konnte in Sicherheit gebracht warden.

Cris

Die 18-jährige Cris wurde von einer Familie nach Italien eingeladen mit dem falschen Versprechen, dass sie als Hundesitterin angestellt werde.

Nach ihrer Ankunft im neuen “Zuhause” wurde sie gezwungen unter sklavenartigen Bedingungen zu arbeiten. Sie arbeitete von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr abends. Sie musste alle Haushaltsarbeiten erledigen: kochen, putzen, waschen usw. Als sie darum bat, dass man sie an den Flughafen bringe, damit sie nach Brasilien zurückkehren könne, kam die grosse Überraschung: sie müsse zuerst eine Schuld von € 5000 abbezahlen bevor sie nach Hause zurück kehren könne.

Am nächsten Tag brachten sie ihr sexy Kleidung, damit sie so beginnen könne, ihre Schuld abzuarbeiten. Dagegen wehrte sie sich. Was die Situation noch verschlimmerte, war dass sie keinerlei Möglichkeiten hatte jemanden zu informieren, da sie isoliert war, ohne Mobiltelefon usw. Nach einem Monat fand sie im Haus einen alten Computer, der funktionierte, und so konnte sie mit einer E-Mail ihre Familie über ihre Lage informieren und um Hilfe bitten. Die Kerngruppe zur Bekämpfung des Menschenhandels in Acre, Brasilien, nahm Kontakt auf mit der italienischen Polizei, diese befreite sie und brachte sie in das Nam-Haus in der Nähe von Verona in Italien. Ein Betreuer von Projekt Resgate war persönlich vor Ort, um sie zu betreuen und eine rasche und sichere Rückreise zu organisieren.

Ellen

Er sagte mir, dass Schweizer Schwarze hassen und wir für Schweizer nichts wert seien. So hatte ich Angst vor den Leuten. Ich musste mit ihm abscheuliche sexuelle Praktiken ausüben.

Nach einigen Monaten sagte er mir, ich müsse eine Arbeit suchen, da ich grosse Schulden bei ihm hätte wegen der Hochzeit und meinem Lebensunterhalt. Er schlug mich. Ich bekam Angst und suchte Hilfe in der Nachbarschaft. Ich kam zur Polizei, es gab grosse Verständigungsprobleme und ich hatte Todesangst.

Mir wurde gesagt, ich hätte das Blut von den Schlägen nicht abwaschen sollen, denn nun sei schwer nachzuweisen, dass mein Mann mich schlage. Zudem war er plötzlich wieder lieb zu mir und überredete mich zurückzukommen. Ich wusste nicht, was ich sonst tun hätte sollen. So ging ich zurück. Es wurde noch schlimmer. Ich musste von Montag bis Samstag in ein Bordell gehen. Ich hatte so was nie zuvor gemacht, und es war schrecklich. Ich habe so viel Hass in mir, Hass gegen diese Männer, die zu mir kamen und ihre Ehefrauen betrogen. Hass gegen meinen Mann, den ich gleichzeitig liebte.

Er versprach mir immer wieder sich zu ändern, versprach, dass es besser würde, und immer wieder glaubte ich ihm. Und genau auch für das hasste ich mich. Und dafür, dass ich mich in diese Situation gebracht hatte. Ich hasste alles an mir. Einmal konnte ich zurück nach Brasilien zu meiner Familie. Natürlich verheimlichte ich, wie schlecht es mir in der Schweiz ging, ich wollte nicht zurück. Doch er schrieb ganz oft, er sagte, wie fest er mich vermisse und dass ihm alles leid tue, dass er sich ändern würde.

Er schrieb auch meiner Familie, sie ermutigte mich zurückzugehen. Meine Tochter studierte und brauchte deshalb Geld. In Brasilien konnte ich ihr kein Geld beschaffen. Ich glaubte daran, dass es dieses Mal besser würde. Wurde es jedoch nicht. Ich hasse mich dafür, dass ich ihn trotzdem liebe und seinen Versprechungen immer wieder glaube. Wie kann eine erwachsene Frau wie ich ihm vertrauen?